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An Seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI

Deutsch-Kabylische Freundschaft e.V.
15.03.2009
Aufseßerstraße 11
D - 81249 München

An
Seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI

Citta del Vaticano

Eure Heiligkeit,
wir haben die Ehre, Ihnen diese Stellungnahme zukommen zu lassen, in der
Hoffnung eine grundlegende Tatsache hervorzuheben, die von Ihrem Vertreter
in Algerien , Monseigneur Bader Ghalib, unerwähnt blieb.
Es überrascht sehr, dass ein kirchlicher Würdenträger und obendrein
Gelehrter bei seiner Ankunft auf dem Flughafen von Algier erklärt: „Ich
freue mich sehr, bei meinen arabischen Brüdern zu sein“.
Algerien, die Heimat des Berbers Sankt Augustin, Vater der christlichen
Kirche, wird nicht von Arabern bevölkert, sondern von arabisierten und
nicht-arabisierten Berbern.
Wenn sich auch der Lauf der Geschichte aufgrund der verschiedenen
Eindringlinge, die ihren Fuss auf die numidische Erde gesetzt haben, zu
Ungunsten der Imazighen (die Bewohner Nord-Afrikas bezeichnen sich selbst
so), entwickelt hat, so bilden sie doch die Basis der nordafrikanischen
Gesellschaft.
Man muss jetzt nicht tiefer auf die Vorgeschichte dieser weitläufigen
Region, die immer von Fremdmächten besetzt war, eingehen, um daran zu
erinnern, dass die gegenwärtige Situation der Imazighen (Nordafrika) und
im besonderen in Algerien sich nicht von der Frühgeschichte
unterscheidet. Der französische Kolonialismus, der die Arabisierung durch
seine „Orientalisten“, die die Kolonialarmee begleitet haben,
beschleunigt hat, wollte seine Mischung aus „muslimisch und arabisch“
nicht aus seinem Vokabular verbannen.
Die Berber-Sprache, die nicht geschrieben und somit nicht unterrichtet
wurde, erfuhr von den französischen Besatzern keine Beachtung.
Es war für die Kolonialmächte logischerweise leicht, die Bezeichnungen
muslimisch und arabisch nur zu gerne zu verwechseln.
Und genau da beginnt das Unglück der berberischen Einwohner von Tamazgha
seinen Lauf zu nehmen.
Der kulturelle Genozid der Berberophonen wird, nach jahrhundertelangem
Widerstand gegen die totale Arabisierung aufgrund der Islamisierung,
Wirklichkeit.
Heutzutage nimmt der kulturelle Genozid seinen Fortgang durch eine neue
arabo-baathistische Kolonisierungspolitik, die von den Regierungen in
Algerien seit 1962 kontinuierlich verfolgt wird.
Es ist beängstigend festzustellen, dass die römische Kirche durch ihre
Zustimmung zu den Arabo-Baathisten mittels Monseigneur Bader Ghalib dem
Verschwinden des Berbervolkes, einem der ältesten Völker des
Mittelmeerraumes, beipflichtet.
Die gegenwärtigen, fortwährenden und friedlichen Widerstandsbewegungen
der Kabylen (Berber-Frühling von 1980, schwarzer Frühling von 2001 und
andere, weniger bekannte und stillere Widerstandsbewegungen) haben im
Bestreben um die offizielle Anerkennung ihrer Identität und ihrer Sprache
als Antwort nur die Gewalt der Regierung durch ihre Polizei und Gendarmerie
zu spüren bekommmen. Die westliche Presse hat praktisch überhaupt nicht
auf die Manifestationen der Kabylen gegen den kulturellen Genozid in
Algerien reagiert. Leider haben sie kein religiöses Oberhaupt wie z.B.
den Dalai Lama in Tibet. Es wird bestimmt kein muslimischer Imam sein, der
sich gegen die Arabisierung der Kabylen und der Berber im Allgemeinen
einsetzt.
Um so mehr bedauern wir es, dass ein durch Eure Heiligkeit entsandtes
religiöses, christliches Oberhaupt der Kirche die Anti-Kabylen-,
Anti-Berber- und Anti-Menschenrechts-Politik in Algerien bekräftigt,
indem es durch seine Erklärung die wahren Zustände des Landes außer
Acht lässt.
Über eine Antwort Ihrerseits bedanken wir uns im Voraus.

Deutsch-Kabylische Freundschaft e.V.
i.V. A.Enderle-Ammour

Source: www.kabylei.eu

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